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Wanderung 1 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter, Frank   
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 18:13 Uhr

 

 

Wandern mit Gerhard Krause – Wanderung 1


Ausgangspunkt dieser 1,5-stündigen Wanderung ist der restaurierte Gedenkstein für die Opfer des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 vor „Spahrs Gaststätte“. Von dort laufen wir bis zu der jetzt leer stehenden Schule und biegen nach links in den zur Mulde führenden unbefestigten Weg ein.

 


Früher sagten die Törtener: „Wir gehen bei Fischers (Rudolphs) runter.“


An dem zur Linken liegenden Eckhaus schließen sich einige Werkstattgebäude und Garagen an. Dort war der Sitz der Autovermietung Fischer und der Parkettfabrik Möbius. In den 1950-er Jahren war es die erste Niederlassung der Firma Meier. Noch unter diesem Namen wechselte sie zur Kreuzbergstraße in die ehemaligen Röpertschen Besitzungen und firmierte später als Leichtmetallbau. Wie zu dieser Zeit oft gebräuchlich, wurde unter dem Vorwurf Steuerhinterziehung eine Enteignung durchgeführt und der VEB Leichtmetallbau, später der größte Arbeitgeber in Törten, gebildet.


An der wegseitigen Wand der Gebäude sieht man noch die Aufnahmenuten für die früher bei Hochwasser einzusetzenden Bohlen. Nach wenigen Schritten erreichen wir den Hochwasserschutzwall. Dieses Wallstück zwischen Friedhof und Spielplatz wurde 1983 errichtet und nach dem Hochwasser von 2002 zur jetzigen Größe ausgebaut. Vom Wall aus sehen wir vor uns ein Waldstück, das „Neue Teil“ und links davor die „Soolbruchwiesen“.


Bevor wir den nach links in die Wiesen abbiegenden Weg einschlagen, gehen wir erst einmal 80 Schritte weiter geradeaus, um uns die neu gepflanzte „Bäreiche“ anzusehen. Sie steht in der vor dem Graben liegenden Wiese zum Friedhof hin.

 

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Wall mit Soolbruchwiesen und Neuer Teil

 

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Die neue Bäreiche

 

Mit etwas Glück wird in Jahren ein mächtiger Baum daraus, auf den dann wieder Bernhard Heeses Worte aus seiner Sammlung anhalt – dessauischer Namen zutreffen: „Bäreiche – charakteristische Eiche im Törtener Auenforst“. Die alte Bäreiche stand Jahrhunderte lang hinter dem Graben. Dort ist jetzt der Wirtschaftsweg des Bauern Meier. Daher war die Nachpflanzung direkt an der historischen Stelle nicht möglich. Die Bäreiche überstand den 2. Weltkrieg und wurde auch bei den großen Abholzungen nach 1945 geschont. Erst ihr Alter und die Folgen von Blitzeinschlägen brachten sie zum Absterben. Der Volksmund sagt, dass an dieser Stelle der letzte Bär in unserer Gegend erlegt worden sein soll.


Übrigens: Die Nachpflanzung verdanken wir Törtener Goldenen Konfirmanden unter der Anleitung von Gerhard Krause.


Wir gehen nun wieder zurück und biegen in die „Soolbruchwiesen“ ein.


Der direkt in der Ecke beider Wege liegende Acker war bis nach dem 2. Weltkrieg der Sportplatz des Sportvereins Blau – Weiß Törten. Der Verein hatte das Gelände vom Bauern Kühne gepachtet und darauf den Sportplatz errichtet. Die Sportler (Fußball, Handball) zogen sich in Spahrs Gaststätte, dem Vereinslokal, um und liefen dann zum Sportplatz. Nach dem Spielen ging es den gleichen Weg zurück. Waschräume und Duschen waren damals nicht vorhanden. Das Wasser kam von der Pumpe und gewaschen hat man sich in Waschschüsseln.


Auch der Schulsport fand auf diesem Platz statt.

 

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Sportplatz im Winter 1937

 

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Der ehemalige Sportplatz

 

Mitten auf der Wiese wollen wir einmal stehen bleiben und uns umdrehen. Der Anblick der Kirche und des sie umgebenden Panoramas ist wie für ein Foto „Dorffrieden“ geschaffen.

 

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Die sich am Hochwasserschutzwall und am Hang entlang ziehenden „Soolbruchwiesen“ sind einschließlich des nun zu durchquerenden Waldstückes Flächennaturdenkmal. Der moorähnliche Charakter der Wiesen und die nach ungefähr 70 … 90 Schritten im Wald beiderseits des Weges stehenden Elsbeerbäume (Sorbus Torminalis), die in unserer Gegend ihr nördlichstes natürliches Verbreitungsgebiet erreichen, sind wesentliche Merkmale des kleinflächigen Naturdenkmals. Charakteristisch für die Elsbeere ist die kleinschuppige Rinde des bis in die Krone durchgehenden Stammes und die tief eingeschnittenen ahornähnlichen Blätter mit einer auffallend roten Herbstfärbung. Das Holz ist im Instrumentenbau sehr begehrt. Die braunen Früchte (Fruchtstand wie bei der Eberesche) wurden im Mittelalter getrocknet und gegen ruhrähnliche Erkrankungen verwendet. Daher auch der Name „Ruhrbirne“. Die Früchte waren auch ein begehrter Obstweinzusatz.

 

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Die dunklen Stämme der Elsbeere

 


In der Mitte des Waldes passieren wir einen Wassergraben. Die Brücke darüber wird „Gendarmenbrücke“ genannt.

 

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Die Gendarmenbrücke

 

Um diese Brücke rankt sich folgende kleine Geschichte:


Zu Herzogszeiten waren in ländlichen Gebieten berittene Polizisten, die Gendarmen oder Feldjäger unterwegs. Sie spürten Feld-, Wald- und Wildfrevlern nach. Unter dem Pferd eines solchen Gendarmen brach bei der Verfolgung eines vermeintlichen Holzdiebes oder Wilderers (genaueres ist nicht überliefert) die damals noch aus Baumstämmen bestehende und im Laufe der Jahre morsch gewordene Brücke zusammen. Dadurch entkam der Verfolgte. Seither heißt die Brücke Gendarmenbrücke.

 

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Die Vorläuferin der heutigen Brücke

 


Der Waldweg mündet nun in die „Hegerwiese“.


Wir laufen auf dem rechts am Waldrand entlang führenden Trampelpfad quer über den Wanderweg und über die Wiesen bis zu einer wilden Badestelle an der Mulde. Von dort gehen wir nach rechts und erreichen in der Nähe der großen Pappeln die ehemalige Törtener Badeanstalt. Rechts des Pfades, jetzt bereits von Gebüsch überwuchert, sind noch die Fundamente des Bierkellers zu sehen. Geht man von den Kellerresten ungefähr 20 Schritte in die Wiese hinein, dann findet man das Fundament der zum Gebäude hochführenden Treppe. Die Badeanstalt, auch Heimat eines sehr regen Wassersportvereins, fiel der Verschmutzung der Mulde und den Nachkriegswirren zum Opfer.

 

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Hegerwiese mit Blick auf das ehemalige Badeanstaltsgelände

 

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Reste der Badeanstalt

 

Über die Badeanstalt findet man einen ausführlichen Artikel von Hans Kamienski im Dessauer Kalender 2004.


Beim Weitergehen stoßen wir wieder auf den Wanderweg, dem wir bis zur nächsten Brücke folgen. Dabei durchqueren wir eine parkähnliche Landschaft, die eigentlich immer schön ist. Ihre besonderen Reize aber hat sie morgens, wenn durch die über der Mulde stehenden Dunstschwaden die noch tief stehende Sonne leuchtet.

 

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Muldstimmung

 

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Die Brückgartenteiche - die Reste des alten Muldelaufes

 


Auch der Vorabend bietet stimmungsvolle Bilder. Im Frühjahr kommt noch die Blüte der Traubenkirschenbäume (Prunus Padus) hinzu. Sie stehen entlang der beiden kleinen Teiche und einzeln gegenüber in der Wiese. Damit befinden wir uns schon im „Brückgarten“. Dieser Forstort kennzeichnet die Stelle, an der bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts die Törtener Brücke über die Mulde nach Kleutsch führte. Man muss dazu wissen, dass die Mulde bis zu einem schweren Hochwasser Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Lauf über die heutigen Altwasser im Törtener Auenwald nahm („Tiefe Renne“, „Raumers Stillinge“ und eben diese beiden kleinen, links des Weges liegenden Teiche), bis sie gegenüber dem Entenfang (im Tiergarten) wieder das jetzige Flussbett erreichte. Die Angaben der Jahreszahlen der Muldlaufveränderung schwanken zwischen 1740 und 1760. Meist wird 1750 angenommen, jedoch ohne gesicherte Quellen. Dort, wo die beiden Teiche durch eine Einschnürung zusammenhängen, sah man Pfosten aus dem Wasser ragen (jetzt noch bei Niedrigwasser). Das sind die Pfeilerreste der ehemaligen Muldbrücke. Es waren einmal 16 Stück. Noch im Oktober 1992 wurden sie von Michael Nickel bei Niedrigwasser fotografiert.

 

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Die Pfeilerreste der ehemaligen Muldbrücke in den Brückgartenteichen

 


Das Brückenhäuschen stand noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sein letzter Bewohner, der „Brückendeubrecht“, hat es schließlich abgebrochen und das verwertbare Baumaterial beim Hausbau in Törten verwendet. Der ursprüngliche Weg zur Brücke und auf dem anderen Muldufer weiter ist der „Altjeßnitzer Weg“. Er hat seinen Beginn – B. Heese und W. Lange zufolge – an der Heerstraße („Hohe Straße“) und führte, wie sein Name sagt, mindestens bis Altjeßnitz. Dabei wurden die Burgwarde jenseits der Mulde, deren südlichster Altjeßnitz war, berührt. Über genauere Angaben wie Wegführungen usw. kann die Fachwelt noch keine beurkundeten Hinweise geben. In dem nach Osten offenen Bogen von „Raumers Stillinge“ sehen wir die ehemalige Insel „Raumers Werder“ und rechts voraus das Waldstück „Raumers Busch“. Der Begriff „Raumers“ für Gelände um Dessau (siehe auch das kleine Naturschutzgebiet „Raumers Wiese“ an der Straße Dessau – Kochstedt) bezeichnet ehemalige Besitztümer der Familie von Raumer, die vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hohe Mitglieder der herzoglichen Regierungen stellte (z.B. Kammerherr von Raumer). Die Bedeutung dieser Familie für Anhalt–Dessau erkennt man auch daran, dass z.B. in Kopfhöhe neben der Eingangstür der Marienkirche eine steinerne Grabplatte mit Inschrift zum Gedenken an einen Herrn von Raumer nebst Gemahlin zu finden ist. Wir erreichen nun eine steinerne Brücke mit Siel, die „Schleusenbrücke“. Sie wurde 1855 unter Herzog Friedrich I. errichtet und 1995 erneuert. Die Jahreszahl 1855 kann man an den, beim Neubau wieder verwendeten Sandsteinen lesen. Man muss nur muldseitig in den Graben hinabsteigen.

 

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Raumers Werder vor Raumers Stillinge

 

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Die Schleusenbrücke

 

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    Die beim Neubau wieder verwendeten Sandsteine mit Jahreszahl und Initialien

 

Würden wir weiter dem Wanderweg folgen, so erreichten wir an der neuen Fußgängerbrücke über die Mulde die bei Hans Kamienski beschriebene Badestelle „Drei Fichten. Wie in der Umgangssprache üblich, sind damit natürlich Kiefern gemeint. Zwei davon stehen noch im Wiesengelände Richtung Autobahn. Die dritte Kiefer musste dem Aufgang zur neuen Fußgängerbrücke weichen.  Wir gehen aber geradeaus zur Autobahn. Dabei laufen wir durch ein Waldstück, in dem eine weitere dendrologische Rarität zu finden ist. An der rechten Wegseite steht eine Sumpfeiche (Quercus palustris).

 

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Sumpfeiche

 


Diese nordamerikanische Eiche fällt durch die dünnen, eng am Stamm herabhängenden Zweige und durch die tief eingeschnittenen Blätter auf. Man findet diese Eichenart noch am Kupenwall (Richtung Sieglitzer Berg) und einzeln stehend in den „Möster Birken“. Letzteres ist das Waldgebiet nordwestlich von Möst, zwischen den noch erhaltenen Grenzsteinen an der alten anhaltischen Staatsgrenze zur preußischen Enklave Schierau/Priorau/Möst und der Autobahn (Autobahnsee).

 


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Links unseres Weges in Richtung der ehemaligen Badestelle „Drei Fichten“ stehen einige Birnbäume, deren Früchte von den badenden Kindern und Jugendlichen im Spätsommer als willkommene Bereicherung des Speisezettels gepflückt wurden. Leider ist die Genussreife dieser Birnen recht kurz und auch spät im Jahr. Man riss sie also während der Badesaison zu früh herunter. Das Ergebnis waren harte, rübig schmeckende Birnen. Wartete man dagegen zu lange, dann hatte man teigige und musige Früchte. Nur Fachleute unter den Kindern ernteten immer zum richtigen Zeitpunkt.

 


Im Verlauf unseres weiteren Weges unterqueren wir die Bundesautobahn Berlin – München (BAB9 = E51). Vor dem 6-spurigen Ausbau war hier eine der beiden Flutbrücken im Törtener Auenwald. Das Hochwasser 1954 unterspülte einen Pfeiler unter der Richtungsfahrbahn nach Berlin. Dieser senkte sich  und die Autobahn war danach an dieser Stelle lange nur einspurig befahrbar.


Hinter der Autobahn können wir zwischen drei oder richtiger nur noch zwischen zwei Wegen wählen: würden wir halblinks gehen, so führte uns dieser Weg auf kurzer Strecke zur Mulde. Das dabei zu passierende Waldstück sind die „Fuhren“, ursprünglich ein gut gewachsener Kiefernbestand (Fuhren aus Föhren, Kienföhren = Kiefern). Nach dem Holzschlag wurde mit schnell wachsenden Pappeln aufgeforstet. Inzwischen haben Biber darin „gearbeitet“. In weitem Rechtsbogen würden wir die Muldwiesen durchlaufen, bis sich dieser Weg wieder mit dem von uns gewählten Weg vereinigt. Der erwähnte dritte Weg lässt sich nur noch erahnen. Er ist leider völlig zugewachsen. Der Weg führte geradeaus bis zu einem kleinen Tümpel, an dessen Hochufer Fundament und Bodenplatte eines Jagdhauses oder von der Bodenfläche her eher einer Jagdhütte zu sehen sind.

 

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Der kleine Weiher

 

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Das Fundament

 

Unter den Törtener Kindern waren darüber – und sind vielleicht noch – viele Geschichten im Umlauf. So wurde erzählt, dass unter der Bodenplatte ein Keller mit einem versteckten Schatz sein soll. Auch wurde berichtet, dass ein unterirdischer Gang Richtung Dessau (man sagte zum Schloss) führen soll. Deshalb findet man an der Bodenplatte viele Meißelspuren, die Generationen Törtener Kinder bei der Schatzsuche mit Hammer und Meißel hinterlassen haben.


Übrigens, in dem Tümpel waren früher Ukeleis.


Uns bleibt nun noch der halbrechts abgehende Weg. Diesem folgen wir und betreten den „Rabenkolk“. Rechts am Rand steht wieder eine Sumpfeiche. Der Rabenkolk wird uns bis zur „Tiefen Renne“ immer rechtseitig begleiten. Im Wald findet man an einigen Bäumen noch die Kennzeichnung HW02. Es sind die während des Hochwassers 2002 von Mitarbeitern des Forst und der Bundeswehr markierten Höchststände des Hochwassers. Nach 3 – 5 Minuten erreichen wir die Mulde. Der Weg läuft nun eine kurze Strecke neben der Mulde her. Bei Niedrig- und Mittelwasser sieht man stromauf Pfosten aus der Mulde ragen. Es sind die Pfeilerreste einer sowjetischen Manöverbrücke. Interessant ist auch der Landschluss der nahe am rechten Ufer liegenden Insel. Im Bild die Sandbank zwischen der Insel und dem Kleutscher Ufer. Bei der unsteten Mulde kann sich dieser Zustand aber schnell wieder ändern.

 

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Im Rabenkolk

 

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Hochwassermarken

 

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Ehemalige Insel, durch Sandablagerung mit dem rechten Muldeufer verbunden

 

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Pfeiler der ehemaligen Manöverbrücke

 


Der Weg biegt nun nach rechts in den Wald hinein. Links des Weges liegt der „Große Werder“. Die Törtener Kinder nannten die unter der Hochspannungsleitung liegende Schneise die Steppe. Der jetzige Strauchwuchs hat sich erst in den letzten 50 Jahren entwickelt.

 

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Weg durch die Steppe

 

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Hinweisschild Kernzone

 


Hier sei eine kleine Abweichung gestattet:


Das ist der einzige noch für Wanderer gestattete Waldweg nach Niesau. Dieser ist seit dem Frühjahr 2005 auf den ersten 2 Kilometern beiderseits mit Hinweisschildern auf neu gebildete Kernzonen des Biosphärenreservats mittlere Elbe/untere Mulde markiert. Früher sah das ganz anders aus: Gleich hinter dem im Bild gezeigten Wegstück konnte man links zur Mulde abbiegen und über die „Pänschfichten (Pänschhau)“, „Peißers Werder“ und die „Abtei“ nach Niesau gelangen oder man bog nach ungefähr 100m nach rechts in den „Laukenhau“ und wanderte über die heute nicht mehr vorhandene Kuperbrücke und sich dann immer nach links haltend nach Niesau. Nicht umsonst schrieb Bernhard Heese in seinem Dessauer Wanderbuch: „Die Waldwege zwischen Törten und Niesau laufen ziemlich durcheinander, es braucht aber niemand Angst vor dem Verirren zu haben. Die Hauptsache ist, immer die Mulde möglichst nahe links behalten, dann kommt man so sicher nach Niesau wie auf einer bezeichneten Straße.“ Das wurde aber schon zu DDR – Zeiten anders. Die Waldbeweidung durch die Rinderherden der LPG führte trotz anders lautender Gesetze zur Sperrung der Wege durch Koppelzäune quer darüber. Eigentlich hätte man längs der Wege Zäune ziehen müssen. Aber das war zu aufwändig und Kläger waren ja kaum vorhanden. Nach der Wende fiel dieses Problem weg, dafür entstand eine, alle Wanderungen verwehrende Kernzone (Laukenhau) und letztlich deren großräumige Erweiterung. Das auch ohne Diskussion mit den Einwohnern der umliegenden Orte!


Aber wir wollen geradeaus weitergehen.


Im Laufe des Weges stoßen wir auf einen Wasserlauf, die bereits erwähnte „Tiefe Renne“ (in alten Forstkarten auch „Törtener Streng“ genannt). Sie ist die südliche Fortsetzung von „Raumers Stillinge“ und ebenfalls ein Altwasser der Mulde. Auch an der darüber führenden Betonbrücke sollen von unten die Jahreszahlen der Errichtung zu lesen sein. Sie wurde im November 1913 durch die Handwerker Wottke (Maurer) und Sens (Zimmermann) gebaut. Nach dem 2. Weltkrieg musste sie repariert werden. 30m weiter südlich, also linkerhand, erkennen wir die Reste der ursprünglichen Holzbrücke, d.h. der Weg verlief früher südlicher. Nach dem Passieren der Brücke befinden wir uns im „Göhrenhau“.

 

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Brücke über die "Tiefe Renne"

 

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Alter Brückenpfeiler

 


Auch jetzt können wir wieder zwischen zwei Wegen wählen. Wir können entweder geradeaus über den Hochwasserschutzwall oder nach rechts parallel zur „Tiefen Renne“ gehen. Von uns wird der nach rechts gehende Weg gewählt. Aber bevor wir diesen Weg beschreiten, wollen wir kurz die andere Möglichkeit erläutern: Gingen wir geradeaus, würden wir uns nach der Überquerung des Walles in der „Aue“ befinden – mit dem historischen Namen, in der „Birnbaumbreite“-. Wir würden durch eine kleine Aufforstung gehen und auf einen größeren Tunnel unter der Autobahn stoßen. Von dort ge langen wir nach dem Passieren des Tunnels und einer kurzen Wegstrecke entweder nach links beim ehemaligen Bauerngehöft Bauer auf die Möster Straße und zurück zur Kirche oder aber nach rechts und an den Schrebergärten entlang über den Wall links zurück beim Behrendschen Hof (Dorfteich) ebenfalls auf die Möster Straße und zur Kirche. Gleich hinter der Autobahn würden wir über die „Lauchstücken“ blickend die Hagenbreite sehen, während das rechts liegende Ackerland einschließlich der Schrebergärten „Alte Mulde“ heißt.


Nun zu dem von uns gewählten Weg:


Auf diesem Weg kommen wir an einem Wildschutzhügel oder wie hier gesagt wird, an einem Rehberg vorbei. Diese kleinen Hügel wurden als Zufluchten für das Wild bei Hochwasser errichtet. Deshalb findet man in der Nähe der Wildschutzhügel auch immer die Schachtungen, aus denen die Erdmassen für die Hügel gewonnen wurden. In unserem Falle ist das die Grube links des Weges.

 

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Ein Rehberg

 


Wir kommen bei „Raumers Stillinge“ zur zweiten Flutbrücke der Autobahn und stoßen im weiteren Verlauf des Weges wieder auf den Hochwasserschutzwall. Das Wallstück ist der „Lehmkutenwall“. Wir biegen nach rechts ab und laufen auf dem Waldweg neben dem Wall in Richtung Törten (nach links würden wir zum „Liebestunnel“ kommen). Am Wegrand fallen uns die regelmäßig gepflanzten Eichen auf. Sie sind unter dem Begriff „Sedanseichen“ bekannt.


Alte Einwohner Törtens erzählten, dass bis zum 1. Weltkrieg in diesen Gebiet das Sedansfest gefeiert wurde. Wir können deshalb davon ausgehen, dass die Eichen anlässlich eines Jahrestages der Schlacht bei Sedan im Deutsch – Französischen Krieg 1870/71 gepflanzt oder mit diesem Namen getauft wurden. Die Schlacht bei Sedan entschied den Krieg zugunsten der deutschen Seite und war indirekt Grundlage der deutschen Einigung 1871 (II. Kaiserreich).

 

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Eichenallee

 

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Der alte Liebestunnel

 

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Hier stand das Törtener Wallwachhaus (200m hinter dem Liebestunnel)

 


Beim Heraustreten aus dem Wald liegen rechts von uns die „Lehmkuten“ und dahinter in Richtung Mulde der „Bruckhau“. Letzterer ist die Aufforstung anlässlich der Autobahnverbreiterung. Bis 1945 war der „Bruckhau“ ein gepflegter Wald, durchzogen von einer Rosskastanienallee Richtung „Brückgarten“. Nach den Lehmkuten (Lehmgruben) ist der bereits erwähnte „Lehmkutenwall“ benannt.

 

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Am Stamm der rechts vor der Göhrenhauschranke stehenden Eiche war in der rindenfreien Stelle eine Hochwassermarke befestigt. Wahrscheinlich hat sie jetzt ein „Sammler“ in seinem Fundus.

 

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Lehmkutenwall mit den dahinter liegenden Schrebergärten in der "Alten Mulde"

 


Die hinter dem Wall liegenden Schrebergärten in der „Alten Mulde“ wurden 1980/81 von Werksangehörigen des RAW angelegt, während hinter den Häusern an der Möster Straße der Eingang zur alten Schrebergartenkolonie „Törten“ liegt. Diese wurde 1932 angelegt. Sie hatte ein gut besuchtes öffentliches Vereinslokal. Es ist leider seit Jahren geschlossen.


Bei Behrends Hof erreichen wir die Möster Straße und beenden den Wandertag nach 300m Fußweg an der Törtener Kirche.

 

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Endpunkt unserer Wanderung

 

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Legende zur Übersichtskarte

  1    Gedenkstein
  2    Soolbruchwiesen
  3    Neue Teil
  4    Bäreiche
  5    Elsbeerbäume
  6    Gendarmenbrücke
  7    Hegerwiese
  8    Reste der Törtener Badeanstalt
  9    Brückgarten
10    Ehemalige Törtener Muldbrücke
11    Raumers Stillinge
12    Raumers Werder
13    Raumers Busch
14    Schleusenbrücke
15    Drei Fichten
16    Sumpfeiche
17    Die Fuhren
18    Fundament der Jagdhütte
19    Rabenkolk
20    Großer Werder
21    Tiefe Renne
22    Göhrenhau
23    Die Aue oder Birnbaumbreite
24    Lauchstücken
25    Alte Mulde
26    Sedanseichen
27    Lehmkuten
28    Lehmkutenwall
29    Bruckhau          

© by HV Törten 2005,
Text und Gestaltung: GF
Fotos und Bilder:       Bildarchiv K.-P. Schneider (33)
Bildarchiv M. Nickel (2)
GF (2)
Allen, die Hinweise gegeben und Korrekturen eingebracht haben, sei hiermit gedankt.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 20. Juni 2013 um 07:46 Uhr
 

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